Haushalts-Fallstudie · Zürich 2026
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Haushalts-Fallstudie  ·  Region Zürich  ·  2023–2026

Lohnt sich Lidl
wirklich?

Die Frage, die alle haben — aber niemand beantwortet

Es begann beim Grillieren. Die Art, bei der jemand eine Picanha mitbringt, der Rosé kalt ist und das Gespräch irgendwann — unweigerlich — auf den Einkauf kommt.

"Lidl ist viel günstiger, weisst du." Ein paar Nicken. Jemand füllt sein Glas nach. "Lidl lohnt sich wirklich." Mehr Nicken. Die Art von kollektiver Weisheit, die bei Sommerpartys kursiert — selbstsicher, gut gemeint und völlig unbelegt.

Ich hörte eine Version davon beim nächsten Grillabend auch. Und beim übernächsten. Eine Weile lächelte ich einfach und wechselte das Thema. Ehrlich gesagt war ich nicht sicher, ob Lidl das Richtige für uns ist — wir kaufen gerne Bio, und ich hatte das vage Gefühl, dass die Ersparnisse irgendwo einen Haken haben.

Aber die Frage liess mich nicht los. Irgendwann gewann die Neugier.

Ich sagte meiner Frau, ich würde es ein Jahr lang versuchen — alles aufzeichnen und schauen, was die Zahlen sagen. Sie half mir sogar, mich zu überzeugen. Also ging ich jeden Montag hin, mit unserer Tochter dabei — die die ganze Sache bierernst nimmt und starke Meinungen hat, welche Produkte es wert sind. Ein Jahr wurde zu siebzehn Monaten Daten. Das ist das Ergebnis. Die Freunde sind herzlich eingeladen, es zu lesen. Sie werden das Gespräch wiedererkennen.

Die kurze Antwort: Sie haben nicht ganz Unrecht — aber sie haben weniger recht, als sie glauben, und das aus Gründen, die sie nie erraten würden.

484
Kassenbons über 3 Jahre
8'438
Positionen ausgewertet

Zwei Läden, zwei sehr verschiedene Erlebnisse

Bevor wir zu den Zahlen kommen: Einkaufen in diesen zwei Läden ist ein grundlegend anderes Erlebnis — und dieser Unterschied hat seinen Preis.

Die Migros, in die ich gehe, hat Passabene, das Self-Scanning-System, bei dem man die Taschen beim Einkaufen packt. Scanner am Eingang holen, unterwegs scannen, schnell auschecken. Kein Förderband, kein Umpacken. Mit unserer Tochter dabei und Dingen, die erledigt werden müssen, ist das mehr wert als es klingt.

Das Lidl in der Nähe hat das nicht. Man wartet in der Schlange. Alles aufs Band. Die Kassiererin scannt schnell — wirklich schnell, die Art von Tempo, bei der man das Gefühl hat, schon hinter zu sein, bevor man angefangen hat zu packen. Dann packt man am kleinen Regal am Ende um, während die Artikel der nächsten Person bereits nachkommen.

Dann ist da noch das Parkieren. Die Migros, die ich nutze, hat ein gedecktes Parkhaus, immer Platz, geschützt vor dem Wetter. Das Lidl in der Nähe hat einen Freiluftparkplatz, der sich schnell füllt. An einem milden Dienstag fine. Im Februar, Regen von der Seite, voller Parkplatz — da summieren sich die psychologischen Kosten.

Was früher ein Stopp war, sind jetzt zwei. Migros für alles, worauf man zählen kann, Lidl für das, was man gerade findet — das Sortiment ist nicht immer konstant... und weil ich mich für ein Jahr dazu verpflichtet hatte. 🤷

Das alles ist in der Sparanalyse unten nicht beziffert. Aber es ist real und gehört zu einer ehrlichen Betrachtung der Frage.

Snowy outdoor car park in winter

Die Zahlen: woher die Ersparnisse wirklich kommen

In 27 Produktkategorien, in denen beide Läden vergleichbare Produkte führen, sparte ich geschätzte CHF 875 pro Jahr durch Einkäufe bei Lidl. Diese Zahl ist aus 17 Monaten Lidl-Daten hochgerechnet. Das Problem mit dieser Schlagzahl:

66%
der gesamten Jahresersparnis stammt aus
einer einzigen Kategorie: Skyr.

Der Migros-Skyr "You" kostet rund CHF 10.59/kg. Das Äquivalent bei Lidl kostet CHF 3.95–5.30/kg. Das ist Faktor zwei bis drei für ein ernährungsphysiologisch praktisch identisches Produkt. Kein kleiner Rabatt — eine strukturelle Preisanomalie, die alles andere dominiert.

Rechnet man Skyr raus, sinkt die Jahresersparnis von CHF 875 auf CHF 467. Immer noch real, aber ein bescheideneres Ergebnis.

Jahresersparnis pro Kategorie — CHF (hochgerechnet aus 17 Monaten)
Lidl cheaper
Migros cheaper
Nur Vergleich gleicher Qualitätsstufe (Bio vs. Bio, Standard vs. Standard).

Früchte: das zweitgrösste Potenzial

Fresh fruit and vegetables at market

Früchte sind nach Fleisch die grösste Ausgabenkategorie: rund 8% der Gesamtausgaben über 37 Monate, fast ausschliesslich bei Migros. Allein Tomaten: CHF 250 bei Migros vs. CHF 67 bei Lidl, wobei Lidls Bio Dattelcherrytomaten günstiger sind.

Beeren sind der interessanteste Fall. Die Zahlen sehen nach grossem Lidl-Vorteil aus — Lidl Himbeeren CHF 2.55/Schale vs. Migros Bio Himbeeren CHF 5.96/Schale. Aber pro Kilogramm ist es näher: Lidls Bio-Beeren kosten CHF 27.94/kg, Migros Bio im Schnitt CHF 22–25/kg. Die Schale ist kleiner, und Lidls Bio-Zertifikat bedeutet deutschen oder spanischen Ursprung, nicht Schweizer.

Die Beeren-Feinheit

Lidl-Beeren wirken im Regal günstiger. Pro Kilogramm sind Migros-Bio-Beeren vergleichbar — oder sogar etwas günstiger — und während der Saison (Mai–August) aus der Schweiz. Wer auf Herkunft achtet, spart hier weniger als es scheint.

Bei Avocados ist es eindeutiger: Lidl Bio Avocado CHF 1.35/Stück vs. Migros Bio CHF 1.74 — 22% günstiger, konsistent über 29 Lidl-Einkäufe. Kein Herkunftsvorbehalt; beide sind importiert.


Fleisch: wo Lidl verliert

Fresh meat at butcher counter

Wir versuchen, zuerst Schweizer Bio-Fleisch zu kaufen. Schweizer konventionell, wenn kein Bio vorhanden ist. Das prägt, was wir kaufen — und es ist auch dort, wo Lidls Grenzen am sichtbarsten werden.

Bei Poulet: Lidl Bio Pouletbrust CHF 26.37/kg vs. Migros Bio Poulet Oberschenkel CHF 24/kg — Migros günstiger. Wobei Brust und Oberschenkel nicht dasselbe sind, und ein Kg-Vergleich ist ein bisschen so, als würde man Äpfel mit leicht anderen Äpfeln vergleichen. Klarer ist die Herkunft: Migros Bio-Poulet ist Schweizer, Lidls "Bio Hähnchen" kommt aus Deutschland oder Österreich. Bei Hackfleisch gewinnt Lidl deutlicher: Bio Weiderind Hackfleisch CHF 19.62/kg vs. Migros CHF 22.75/kg, 14% günstiger.

Fleischausgaben in Zahlen

80.4% der Lidl-Fleischeinkäufe sind Bio — dieser Haushalt wählte bei Lidl konsequent die Bio-Option. Bei Migros erscheint der Bio-Anteil tiefer (17.9%), weil das meiste Fleisch an der Frischtheke gekauft wird, wo Quittungsbezeichnungen wie "Rindsbraten" kein Bio-Label tragen — auch wenn das Produkt aus Schweizer Haltung stammt.

Die eigentliche Geschichte ist Sortiment und Konstanz. Ein grosser Teil der Fleischausgaben blieb bei Migros — nicht weil Migros günstiger war, sondern weil Lidls Auswahl unberechenbar ist. Mal gibt es Rindsbraten. Mal nicht. Spare Ribs, Bündnerfleisch, eine anständige Bratwurst — manchmal da, manchmal nicht. Eine Wochenspeisekarte lässt sich nicht um ein Vielleicht planen. Für abwechslungsreiche Proteine ist Lidl eine Ergänzung, kein Ersatz.


Tiefkühlspinat: unentschieden

Das hat mich überrascht. Lidl TK Schweizer Blattspinat: CHF 6.68/kg. Migros Bio Blattspinat: CHF 7.10/kg. Beide je 21 Mal gekauft. Die Ersparnis: CHF 0.42/kg, also rund CHF 8 über 17 Monate. Vernachlässigbar — und erwähnenswert, dass der Migros-Spinat das Bio-Zertifikat trägt.

Diese Kategorie lieferte keinen bedeutsamen Befund — und das lohnt sich explizit zu sagen. Nicht jeder Vergleich ergibt einen klaren Sieger. Manchmal sind zwei Produkte einfach etwa gleich teuer.


Das Preisverhältnis: Kategorie für Kategorie

Lidl-Preis in % des Migros-Preises — gleiche Qualitätsstufe
Unter 100% = Lidl günstiger. Über 100% = Migros günstiger.

Das Diagramm zeigt Lidls Preis als Prozentsatz des Migros-Äquivalents, gleiche Qualitätsstufe. Die meisten Kategorien liegen im Bereich 70–100% — Lidl günstiger, aber nicht dramatisch. Die Ausreisser sind aufschlussreich:


Lohnt sich der Umweg?

Calculator and receipt — calculating grocery savings

Bei rund 36 Lidl-Trips pro Jahr ergibt die Geldersparnis CHF 24 pro Trip. Bei CHF 80/Stunde kostet der 20-minütige Mehraufwand CHF 27 pro Trip. Die Mathematik geht kaum auf — und das noch ohne Förderband, Freiluftparkplatz im Januar und fehlendem Passabene.

CHF 875
Jahresersparnis
(alle Kategorien)
CHF 960
Zeitkosten/Jahr
(CHF 80/Std. × 20 Min.)
CHF 408
Ersparnis durch Skyr
(ein Produktwechsel)
Das praktische Fazit

Die effizienteste Einzelstrategie: Skyr bei Lidl kaufen. Dieser eine Wechsel bringt CHF 408/Jahr — 47% der Gesamtersparnis — ohne jede Änderung am normalen Einkaufsverhalten. Dazu Tomaten und Bio-Zitronen bei Lidl-Trips, und man hat 60% aller Ersparnisse mit drei Kategorien abgedeckt.

Für alles andere — besonders Fleisch, Frischtheken-Artikel und Produkte, bei denen Schweizer Herkunft wichtig ist — bleibt Migros die bessere Wahl, sowohl beim Sortiment als auch bei der Qualitätsstufe.


Werde ich weiter zu Lidl gehen?

Ja. Teilweise weil die Zahlen stimmen, teilweise weil meine Tochter jetzt starke Meinungen hat, welche Lidl-Produkte "die guten" sind, und teilweise weil ich nach siebzehn Monaten eine Routine aufgebaut habe.

Bereue ich den Anfang? Fragt mich an einem Montag im Februar, Regen strömt herunter, Freiluftparkplatz voll, und ich versuche, dreissig Packungen Skyr in den Kofferraum zu laden, während meine Tochter ausführlich erklärt, warum wir auch die Lidl Himbeeren hätten kaufen sollen.

Wahrscheinlich trotzdem lohnenswert. Die Freunde lagen grösstenteils richtig. Ich brauchte nur die Daten, um es zuzugeben.

Was die Daten nicht sagen konnten

Einige vielversprechende Vergleiche lieferten keinen nützlichen Befund. Beeren wirken bei Lidl günstiger, normalisieren sich aber auf vergleichbare kg-Preise. Tiefkühlspinat ist praktisch identisch. Bio-Poulet kostet bei Lidl mehr pro Kilo als bei Migros und kommt aus Deutschland statt der Schweiz. Die Analyse ist ehrlich über diese Sackgassen — sie gehören zur Geschichte.

Es gibt auch einen erheblichen blinden Fleck: 17.5% aller Quittungspositionen konnten keinem Produktkatalogeintrag zugeordnet werden. Die meisten stammen von der Migros-Frischtheke — Rindsbraten, Fleischvögel, Schweinsrack — wo die Quittung nur einen Namen und einen Preis pro 100g enthält. Das ist ein beträchtlicher Teil der Migros-Ausgaben ohne Lidl-Äquivalent und ohne CHF/kg-Aufschlüsselung.


Einschränkungen zum Öffnen tippen
N = 1

One household in Zürich/Wallisellen. These findings describe my shopping accurately. They cannot be generalized to "Swiss households save CHF 875/year at Lidl." Your products, your frequency, your store locations — all different.

Bio bias

This household spends 29% of its grocery budget on Bio products — well above the Swiss average. Bio tiers often show larger price gaps between premium retailers and discounters. Standard-tier shoppers may see different, possibly smaller, differentials.

Lidl data

Only 17 months of Lidl receipts versus 37 months of Migros data. Annual savings are extrapolated. Lidl also provides almost no product metadata — 95% of Lidl items have no machine-readable package size, making per-unit comparison impossible for most of their range.

Skyr effect

Remove Skyr and the annual saving drops from CHF 875 to CHF 467. A single pricing anomaly in one category is driving nearly half the headline number. This is fragile — if Migros corrects the Skyr price, or you stop eating it, the finding changes substantially.

Selection bias

The analysis measures what was actually bought at Lidl, not what could have been bought. If you'd switched more categories to Lidl, savings would theoretically be higher — but this assumes comparable product availability and quality, which isn't always the case.

Weiterführende Literatur zum Öffnen tippen

Further reading

This analysis sits within a broader body of research on supermarket price comparison and consumer behavior. A few relevant threads:

  • The price-quality relationship in private-label vs. national brands is well documented: Gabrielsen & Sørgard (2007), Private labels, price rivalry, and public policy — European Economic Review.
  • On Swiss food consumer behavior and organic premiums: Swiss Federal Office for Agriculture publishes annual agricultural reports with organic market share data (agrarberichte.ch).
  • For supermarket format competition — hard discounters vs. full-service supermarkets — Cleeren, Verboven et al. (2010), Intra- and interformat competition among discounters and supermarkets, Marketing Science.
  • The time cost of shopping is analyzed in Seiders et al. (2000), Do satisfied customers buy more? — though most academic literature underestimates the friction of format differences like checkout flow and parking.

The source data and extraction scripts for this analysis are published on GitHub, including the reverse-engineered Migros Cumulus API and Lidl Plus receipt parser. Contributions to add Coop, Aldi, or Denner support are welcome.



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About this project. Built by Eduardo de Magalhães. The data pipeline, receipt parsing, product matching, price normalisation, and this website were written by me. Claude (Anthropic) was used as a programming assistant — for debugging, code generation from specifications, and as the underlying language model for fuzzy product-name matching between receipt abbreviations and product catalog entries. All data collection, curation decisions, category design, and analytical conclusions are my own.

The Migros Cumulus receipt API and Lidl Plus receipt structure were reverse-engineered from browser network traffic. Neither is officially documented for third-party use. Scripts published on GitHub — use at your own risk.

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